DHL im Mittelpunkt der Kritik / Friedensfahrt der Motorradfahrer/innen 2009 in Köln

 

Friedensfahrer/innen vor dem DHL-Zentrale in Köln/Eifeltor (12.04.09)
Friedensfahrer/innen vor dem DHL-Zentrale in Köln/Eifeltor (12.04.09)


Rund 200 Motorradfahrer/innen nahmen am Ostersonntag 2009 an der Friedensfahrt in Köln statt. Im Mittelpunkt der Kritik stand die DHL, die bei ihrer Zusammenarbeit mit Bundeswehr und US-Armee Milliardengeschäfte macht. Zusätzlich Gefahr birgt ein möglicher Datenmissbrauch von Kund/innendaten in aller Welt zu repressiven und militärischen Zwecken.

Ostermarsch Rhein-Ruhr 2009
Friedensfahrt der MotorradfahrerInnen, Köln 12.04.09

Rede bei der Abschlusskundgebung auf dem Roncalliplatz/Domplatte in Köln
Text: Gine Willrich; Vortrag: Kalle Emters (beide MC Brigadistas)


DHL = Deutsche Heeres Logistik
Stell dir vor, du bestellst im Internet ein paar Teile für dein Motorrad. Oder du ersteigerst sie bei Ebay. Die Teile werden geliefert, alles passt und du bist glücklich, einen guten Deal gemacht zu haben.
Der Haken an der Sache ist allerdings der: Die meisten Pakete werden über die DHL geliefert, denn die DHL ist auch Hauptvertragspartner von Ebay.
„Na und?“, werden viele nun sagen, „Paketdienst ist doch Paketdienst!“

Eben nicht.

Wer oder was ist die DHL eigentlich?
Das Besondere an der zur Deutschen Post AG gehörenden DHL ist, dass sie nicht nur Briefe und Pakete transportiert, sondern auch in immer größerem Umfang Kriegsgüter für die Bundeswehr und die US-Armee.

Beispiel Irak
Nachdem 2003 die UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak aufgehoben wurden, stieg dort unmittelbar die DHL als erstes Unternehmen in die militärische Logistik ein. Hauptkunde ist das US-Militär.

Beispiel Flughafen Leipzig
Am Flughafen Leipzig baut die DHL seit 2008 seinen europäischen Logistik-Knotenpunkt aus. Der Flughafen Leipzig wird aber nicht nur zivil genutzt, sondern ist gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt für den Kriegsnachschub der Bundeswehr und ihrer NATO-Partner. Und so transportiert auch die DHL von Leipzig aus schon heute einen Teil des Materials für die weltweiten Kriegseinsätze der Bundeswehr und der US-Army.

Beispiel Privatisierung von Bundeswehrlogistik
Die DHL bewirbt sich derzeit um den bislang größten Auftrag in der deutschen Transportbranche. Auftraggeber ist die Bundeswehr, die ihr bisher umfangreichstes Privatisierungs- und Umstrukturierungsprojekt plant. Es geht um die Auslagerung großer Teile der auf drei Milliarden Euro geschätzten Bundeswehr-Logistik. Die Bundeswehr sucht nun einen Logistikpartner, der die schnelle Einsatzfähigkeit der Truppen sicherstellen soll. Mitbewerber ist unter anderem die Deutsche Bahn mit ihrem Tochterunternehmen Schenker.

Konkret geht es um die Lagerung und Bewirtschaftung von Bundeswehrmaterial und um den gesamten Transport von Waffen, Munition und Soldatinnen und Soldaten. Geliefert wird und innerhalb der Bundesrepublik und in Einsatzgebiete an den verschiedenen Kriegsschauplätzen.
Übrigens gehört die Post bereits seit März 2000 zu den Unternehmen, die die Bundeswehr in Sachen Privatisierung beraten.

Beispiel wirtschaftliche Verflechtungen
Wo die DHL sonst noch überall die Finger drin hat, sei hier an einem kleinen Ausschnitt aus dem Finanzbericht der Deutschen Post AG aus dem Jahr 2006 zusammengefasst:

Übernahme des führenden Brief- und Dokumentendienstleisters Williams Lea mit Sitz in London; Joint Venture in Japan im Bereich Brief; neue strategischer Initiativen am russischen Markt, Übernahme des Logistikstandorts Hirschbach der Deutschen Steinkohle AG; Eröffnung eines neuen europäischen Verteilzentrums für die LEGO® Gruppe in Tschechien; strategische Partnerschaft mit Polar Air Cargo; über Nacht Belieferungen von Apotheken in Australien; Entwicklung einer IT-Logistk-Plattform für Karstadt in Zusammenarbeit mit IBM.

Die DHL mischt also überall mit, der jährliche Geschäftsumsatz liegt in Milliardenhöhe. Und mit ihrer Marktführerschaft in Sachen Logistik kommt der DHL gerade in Sachen Geschäftmachen mit den Militärs eine ganz besondere Rolle zu. Die DHL verdient sich an diesen olivgrünen Geschäften eine goldene Nase und wird damit zum aktiven Kriegsgewinnler.
Und wie die Rüstungskonzerne an Kriegen verdienen und somit eine natürliche Abneigung gegen Friedens- und Abrüstungsverhandlungen haben, wird selbstredend auch die DHL nicht an friedlichen Konfliktlösungen interessiert sein.

Beispiel Datenweitergabe
Mit all ihren Logistikzweigen weltweit kommt aber die DHL auch an jede Menge Daten, auch und insbesondere von Zivilpersonen. Und durch Vernetzung von ziviler und militärischer Logistik ist auch eine Datenweitergabe möglich, zum Beispiel an das Ministerium für Inneres oder an das Verteidigungsministerium, an die Polizei und die Bundeswehr also.

Die DHL kann speichern,
- wer wann wie oft welche Post und welche Pakete an wen verschickt bzw. von wem bekommt,
- als Vertragspartner von Ebay kann sie im Prinzip sogar Käufer-Verkäufer-Konstellationen festhalten.
- Als Kooperationspartner von Immobilienscout24, dem mit drei Millionen Besuchern monatlich meistgenutzten Immobilienportal im Internet kann die DHL „Personenbewegungen“, also Wohnungswechsel, erfassen.
- Der von der Post geplante Elektronische Brief dient der eindeutigen Identifizierung – und möglichen Speicherung – von Absender und Adressat.
- Mit dem sogenannten SmartTruck, der seit März diesen Jahres in Berlin seine Pilotphase durchläuft, setzt die DHL neue Maßstäbe für Zustellfahrzeuge. Mit dem SmartTruck soll eine „effizientere und transparentere Steuerung der Logistikprozesse vom Versender bis hin zum Empfänger erreicht werden. Mit Hilfe modernster Technologien wie GPS und RFID (Radio Frequency Identification) kann hierfür erstmalig in Echtzeit auf Position und aktuelle Verkehrsinformationen in Innenstädten eingegangen werden.
Entwickelt wurde dieses System vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Beteiligt an der Entwicklung ist das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) und unter anderem Motorola.

Wer wann wer oder was wohin – mit der DHL wissen Sie Bescheid!

Der gelben Anstrich der DHL kann nur als Tarnfarbe für das olivgrüne Innere gesehen werden. Um die militärischen Machenschaften der DHL aufzudecken und bekannt zu machen, gibt es seit 2008 eine Kampagne, die sich dieses Themas annimmt.

Die Friedensfahrt 2009 hier in Köln ist ein Beitrag dazu.

DHL - Deutsche Heeres Logistik: WIR VERWEIGERN DIE ANNAHME!

(Es gilt das gesprochene Wort.)

e-mail:: mc-brigadistas@gmx.de homepage:: http://wwww.mc-brigadistas.org

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